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Einen Gasthof »Hirsch« hatte es im alten Füssen schon gegeben: es war das Haus Drehergasse 44, das Anwesen neben dem »Tamburmetzger«.
In der Steuerliste von 1767 wurde der Füssener Bürger Mang Bohler (Magnus Pohler) als Hirschwirt genannt, Sohn des Antoni Bohler, »Preu« (Brauer). Der alte Hirsch umfasste ein dreigeschossiges Hauptgebäude, Nebengebäude im Hinterhof, einen großen Stadel außerhalb der Stadtmauern mit Remise, Stallungen für 12 Pferde, Kammern für Roßknecht, Kutscher und Mägde. Heute befinden sich in diesem Gebäude ein Geschäft für Damenmode und ein Friseursalon. 
Zum alten »Hirsch« gehörte auch der »Hirschwirtsturm« (vorher Seilerturm), ein wohl schon 700 Jahre alter Stadtturm. In dessen ersten Obergeschoß war eine Darre zur Trocknung des Hopfens eingerichtet. Das im Haus gebraute Bier wurde im sogenannten Sommerkeller jenseits des Stadtgrabens eingelagert. Dem acht Meter langen und 4,50 Meter hohen, tief unter dem Gelände liegenden Gewölbe, wurde ein weiterer Stadel aufgesetzt und rundum Kastanien gepflanzt. Der »Hirschgarten« war noch im Jahr 1900 ein wunderschöner, stadtnaher, von den Bürgern geschätzter Biergarten.
Aufstrebender Tourismus
Im Zusammenhang mit dem regen, seit dem Tode König Ludwigs II. von Bayern möglichen Besuch von Schloß Neuschwanstein und dem deshalb rasch zunehmenden Touristenstrom sah die Aktienbrauerei Kempten eine Gelegenheit, ein neues Haus für den gehobenen Bedarf zu erstellen. Der normale Gast reiste damals mit der Bahn von Biessenhofen an, und er sollte schon vom Bahnhof aus die prächtige mit Erkern und Rundtürmen versehene Westfassade des neuen Hauses sehen können.
- Wir sind der Geschichte vorausgeeilt! -
Die Planung für den neuen Bau erstellte der von München nach Füssen übergesiedelte, als Bauleiter in Hohenschwangau tätige Architekt Rudolf Leinweber. Das Projekt sollte dem Standard der Hohenschwangauer Häuser nicht nachstehen.
Vor Baubeginn musste ein Teil des Kastaniengartens geopfert und der hölzerne Stadel über dem Keller abgebaut werden. Nach guter Tradition wurde dieser Stadel als Schützenheim auf dem Ziegelberg wieder aufgebaut. Der extrem tief gelegene Bierkeller wurde erhalten, obwohl ein Teil der neuen Fundamente schräg über ihn hinweggebaut werden musste. Er diente bis 1954 als Bier- und Weinkeller. Als damals die Sebastianstraße zur Bundesstraße ausgebaut und über den Lech weitergeführt wurde, musste der Keller mit Kies aufgefüllt werden.
Im Jahre 1904 war der Bau mit seinen wundervollen Jugendstilfassaden mit Erkern, Türmchen und Windfahnen vollendet. Die Räume wurde bereits mit Dampfheizung temperiert und auf jeder Etage gab es - welchen Luxus - Wasserklosett und Bad. Während die Gasträume im Erdgeschoß mit Gaslicht beleuchtet waren, gab es in allen Hotelzimmern elektrisches Licht.
Erster Direktor des damals als Gasthof klassifizierten Hauses war der international erfahrene (Waldorf Astoria, New York) Josef Schneider, der den »Hirschen« im Jahre 1911 von der Aktienbrauerei kaufte. Im Jahre 1916 heiratete Josef Schneider die verwitwete Sophie Bletschacher vom renommierten »Bamberger Hof« in München, die ihre beiden Söhne Fritz und Max mit nach Füssen brachte. |  |  |

| 1900 »Hirsch-Garten« am Augsburger Torplatz |
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| 1907 mit Stadtmauer von Füssen |
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| 1910 wich die Stadtmauer einer Häuserzeile |
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| 1930 mit neuem Treppengiebel |
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| 1955 Seitenansicht mit Restaurant |
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| 1980 die kleinen Balkone musste weichen |
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| 1991 aus dem Treppengiebel wurde eine klassische Fassade |
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| 2004 Erweiterung um 15 Motiv-Zimmer, Liftturm und neugestaltetem Eingangsbereich |
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Geschichte
In dem erstklassig geführten Hause gingen Gäste aus aller Herren Länder ein und aus, besonders beliebt scheint der »Hirsch« bis 1918 beim altbayerischen Adel gewesen zu sein. Im Jahr 1930 übernahm der erst 29-jährige Fritz Bletschacher die Leitung des Hotels. Acht Jahre später entwarf der junge Architekt Alfred Alfare für das Bierstüberl die heute noch bestehende gemütliche Einrichtung.
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde das Haus beschlagnahmt und zum Lazarett umfunktioniert. In der Folgezeit waren es keine »feinen« Leute mehr, die im »Hirsch« logierten, sondern Verwundete von allen europäischen Kriegsschauplätzen. Im ersten Obergeschoß war ein Operationssaal eingerichtet und im dritten Obergeschoß eine Entbindungsstation. Auch mancher im Krieg versehrte Füssener fand sich zur eigenen Überraschung im Lazarett »Zum Hirschen« wieder. Als der Krieg zu Ende war, wurde der »Hirsch« Sammelbecken und kurzzeitige Heimat von Vertriebenen aus dem gesamten europäischen Osten. Erst im Jahre 1950 bekam die Familie Bletschacher ihr Hotel zurück: ausgeräumt, demoliert und in einem katastrophalen Zustand. Tatkraft und Fleiß von Hotelier Fritz Bletschacher und dessen Frau Clara und das beginnende Wirtschaftswunder verliehen dem »Hirsch« neuen Glanz und neues Ansehen.
Ein im Jahr 1954 vom Architekten Peter Longerich geplanter Bau hob die Anzahl der Betten und verdoppelte die Kapazität der Gasträume. Das erste Haus am Platz sah in den kommenden Jahren viele illustre Gäste aus Politik, Wirtschaft und Film. So war zu Gast am kleinen Tisch neben dem Kachelofen der erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor »Papa« Heuss und dessen Freund, Intendant Hahn vom Schwaltenweiher. Zu Gast waren Wernher von Braun und Luis Trenker, Gina Lollobrigida und Sonja Ziemann, die »Glorreichen Sieben« Steve McQueen und Charles Bronson, in jüngerer Zeit Otto v. Habsburg und Wolfgang Wagner.
Im Jahre 1983 überschrieb Fritz Bletschacher das Hotel seiner Tochter Christine Bletschacher. Diese führt den Betrieb seit 2000 mit Umsicht und zum Wohl ihrer Gäste, tatkräftig unterstützt von Tochter Eva Schwecke. Im Jahr 2002, zeitig vor dem »Hundertjährigen« wurde nach den Plänen des Füssener Architekten Magnus Peresson, ein längst notwendiger Personenaufzug eingebaut, die Bettenkapazität noch einmal erhöht und die Rezeption vom alten Eingang zum hauseigenen Parkplatz verlegt. 
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| Eingang zum urigen Bierstüberl um 1910 |
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Das Hotel ist sowohl in seinem Äußeren, als auch in seiner einmaligen Ausstattung mit wertvollen Möbeln, Bildern und Plastiken ein Spiegel der Geschichte der heimischen Wohnkultur. Die bekannt gute Küche und ein freundlicher Service locken viele Gäste aus nah und fern in die gemütlichen, höchst unterschiedlichen Lokalitäten: das urwüchsige »Bierstüberl«, als Treffpunkt für Einheimische, das feine »Königsstüberl« für kleine geschlossene Gesellschaften, das im gotischen Stil gehaltene »Kaiser Maximilian Gewölbe« für Familienfeiern und Konferenzen, der große stilvolle Speisesaal und das gemütliche Restaurant im »roten und weißen Zimmer«.
Das neu gebaute turmhohe Treppenhaus ist mitunter ungewöhnliche Kulisse für die Präsentation zeitgenössischer Kunst. Das lichte Foyer ermöglicht einen barrierefreien Zugang vom Parkplatz zu Lokalen und Zimmern. Wer je an einem strahlenden Sommermorgen auf der Dachterrasse eine Tasse Kaffee zu sich genommen oder in einer lauen Vollmondnacht dort ein Glas Sekt geleert hat, freut sich auf ein Wiedersehen. 


Festschrift
»100 Jahre Hotel Hirsch«
zum DOWNLOAD
(zeitung_100_jahre.pdf 1,6 MB) 
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